Zahnpflege

Allgemeines

Die tägliche Mundhygiene, zu der neben dem richtigen Zähneputzen auch der Gebrauch weiterer Hilfsmittel wie Zahnseide oder Mundspülungen gehört, ist die wichtigste Voraussetzung zur Gesunderhaltung der Zähne. Untersuchungen zeigen, dass es noch immer erhebliche Defizite bezüglich korrekter Mundhygiene bei der Bevölkerung gibt. Auch finden sich viele Verbraucher im Dschungel der angebotenen Mundhygiene-Produkte nicht zurecht. Sie wissen nicht, nach welchen Kriterien sie ihre Produktauswahl treffen sollten.
Im Folgenden möchten wir einen kurzen Überblick über die korrekte Technik des Zähneputzens geben und die einzelnen zur Mundhygiene bereitstehenden Produkte kurz vorstellen.

Zähne putzen - wie häufig?

  • “morgens, mittags, abends, nach jedem Essen, Zähneputzen nicht vergessen”; wenigstens einmal morgens nach dem Frühstück und abends vorm Zubettgehen Zähne putzen

  • Putzzeit: drei Minuten, und nicht weniger! Daher im Zweifelsfall Sanduhr o.ä. zur Überprüfung verwenden

  • nach der Aufnahme von sauren Speisen und Getränken sollte man erst einige Zeit mit dem Putzen warten, da sonst der durch die Säure angegriffene Zahn beim Putzen geschädigt wird

Putzvorgang

  • vor dem Putzen wird zunächst einmal der Mund kräftig mit Wasser ausgespült, um frische Speisereste und Rückstände von sauren Getränken, wie z.B. Cola oder Fruchtsäften, zu entfernen

  • die Bürste darf nicht zu fest an die Zähne gedrückt werden, da sie ansonsten Zahnfleisch und Zahnhälse schädigen kann; verbogene Bürsten nach 1-2wöchiger Benutzung sind ein sicheres Zeichen für einen zu hohen Anpressdruck

  • Das Putzen sollte immer nach einem festen Schema erfolgen, durch das gewährleistet ist, dass keine Zahnflächen beim Putzen vergessen werden

Putz-Beispiel

Das außen-innen-mitte rechts nach links Schema:
  • zunächst alle Außenflächen der Zähne putzen, und zwar angefangen am Oberkiefer rechts hinten über vorn nach links hinten

  • danach mit dem Unterkiefer genauso verfahren

  • nach der gleichen Systematik als nächstes die Innenflächen der Zähne reinigen

  • als letztes Kauflächen der Zähne nach oben genanntem Schema putzen

Zahnputztechnik

Es gibt verschiedene Zahnputztechniken, welche sich im Ansetzen der Zahnbürste sowie der Bewegungsrichtung unterscheiden. Die Meinungen über die Effektivität der jeweiligen Methode gehen auseinander. Wir stellen hier einige gängige Methoden vor:

Die Vibrationstechnik (ab 18 Jahre)

Die Borsten werden in einem 45 Grad-Winkel (siehe 1) am Zahnfleischrand aufgesetzt. Zunächst wird die Bürste lediglich leicht gerüttelt und dabei nicht von der Stelle bewegt, um den Zahnbelag anzulockern, danach wird von “rot nach weiß”, also vom Zahnfleisch weg “gewischt”. Dabei wird nach dem gemäß des obengenannten Schemas geputzt: zuerst Außenflächen (siehe 2), danach Innenflächen (siehe 3,4,5), zuletzt Kauflächen (siehe 6)

Die Rotationstechnik (12-17 Jahre)

Außenflächen: in kleinen kreisenden Bewegungen über Zahn, Zahnfleischrand und Zwischenräume putzen
Innenflächen: von rot nach weiß bürsten
Frontzähne: mit steilgestelltem Bürstenkopf einzeln putzen
Kauflächen: in kleinen Kreisbewegungen putzen

Hilfsmittel zur richtigen Zahnpflege

Folgende Hilfsmittel sollen kurz vorgestellt werden:

  • Zahnbürste

  • Elektrozahnbürste

  • Schallzahnbürste

  • Interdentalzahnbürste

  • Zahnpasta

  • Whitening-Pasten

  • Zahnseide

  • Zahnseidenhalter

  • Munddusche

  • Zahnstocher

  • Mundspülung

  • Kaugummi

  • Mundwasser

Die Zahnbürste

Obwohl die Anforderungen an eine sinnvolle Zahnbürste sehr simpel sind, entsprechen viele handelsübliche Bürsten diesen Anforderungen nicht. Eine gute Zahnbürste sollte haben:

  • kurzer Kopf: Zahnbürsten mit einem kurzen Kopf und einem kleinen, geraden Borstenfeld sind am besten dazu geeignet, schwer zugängliche Ecken zu erreichen.

  • Borsten aus Kunststoff mit abgerundeten Enden : Kunststoffborsten können gut abgerundet werden und trocknen sehr schnell, wodurch die Ansiedlung mit Bakterien vermieden wird.

  • keine Naturborsten: Sie sind ein idealer Nährboden für Bakterien, da sie schwer trocknen und innen hohl sind

  • Borstenstärke normal bis hart: auf keinen Fall zu harte Borsten verwenden, da sie am weichen Dentin freiliegender Wurzelhälse leicht Schäden anrichten können.

 

Weiterer handelsüblicher “Schnick-Schnack” an Zahnbürsten hat sich noch nicht als wirkungsvoll erwiesen und ist im Gegenteil manchmal eher störend beim Heranreichen an schwer zugängliche Ecken!

Zahnbürstenhygiene

Damit die Zahnbürste auch effektiv die Zähne reinigen kann, muss gewährleistet sein, dass sie nicht mit einem Übermaß an Keimen besiedelt wird. Dieses erreicht man durch:

  • gründliche Reinigung der Zahnbürste nach Gebrauch: mit Wasser gründlich abspülen

  • Aufbewahrung im Trockenen: der Bürstenkopf muss trocknen können, da ein warmes, feuchtes Milieu der ideale Nährboden für Bakterien ist; also Zahnbürste im Zahnputzbecher mit dem Kopf nach oben aufbewahren

  • Zahnbürste alle zwei Monate wechseln: was kaum jemand macht, aber äußerst wichtig ist, da schon nach 3-monatigem Gebrauch die Reinigungswirkung um 30% nachlässt Statistisch gesehen verbraucht der Bundesbürger 1,6 Zahnbürsten im Jahr statt 6!!

  • nach akuten Erkrankungen des Mundraumes Zahnbürste sofort wechseln: z.B. nach grippalen Infekten, die den Mundraum betreffen oder Zahnfleischentzündung, Herpes etc.

Alternativen und Ergänzungen

Elektrische Zahnbürste

Elektrische Zahnbürsten reinigen zwar nicht besser als Handzahnbürsten, sie sind jedoch leichter in der Handhabung und können bei kleinen und großen Kindern den Spieltrieb wecken und dadurch zum Putzen animieren. Für die Borstenkopf gelten die gleichen Regeln wie für Handzahnbürsten (s.o.).
Bewertung: Gute Alternative zur Handzahnbürste; leichtere Handhabung, daher gerade für Kinder, Kranke, Ältere und Behinderte die bessere Wahl

Elektrische Schallzahnbürste

Sie ist eine Weiterentwicklung der elektrischen Zahnbürste. Anstatt eines simplen Elektromotors arbeitet sie mit Schallenergie im Hochfrequenzbereich, wodurch sie ca. 100mal schneller als eine Handzahnbürste und immerhin noch 10mal schneller als eine “normale elektrische” Zahnbürste ist. Studien haben gezeigt, dass die Plaque-Reinigungswirkung sehr gut sein soll. Bei anfänglichem Gebrauch verspürt man ein leichtes, durch den Druck ausgelöstes “Kitzeln”, das aber nach einer Gewöhnungsphase verschwindet.
Bewertung: Gute Alternative zur Zahnbürste

Interdentalbürste (Zahnzwischenraumbürste)

Das ist eine einbüschelige Bürste, die eine große Hilfe zur Reinigung der Zahnzwischenräume bei lückiger Zahnstellung oder festsitzendem Zahnersatz sein kann.

Bewertung: Gut als ergänzende Reinigung bei Patienten mit teilweise großen Zahnzwischenräumen

Zahnpasta

Heutzutage sind fast alle Zahnpasten aus zahnmedizinischer Sicht unbedenklich. Eine gute Zahnpasta sollte enthalten:

  • Fluoride

  • milde bis normal abrasive (abschabende) Schleifkörper. Sie entfernen gefärbte Belege, haben aber immer auch einen gewissen Abrieb an Zahnhartsubstanz zur Folge. Vor allem Zahnpasten, welche die Zähne “weiß und glänzend” machen sollen, sind in der Regel abrasiver. Verschiedene Hersteller sind dazu übergegangen, den Grad der Abrasion ihrer Zahnpasten durch den so genannten RDA-Wert (Radioaktive Dentin Abrasion) anzugeben. Ein RDA-Wert von 35 – 40 ist z.B. ein niedriger Wert und gilt als empfehlenswert. Eine gute Zahnpasta sollte auf Grund der enthaltenen Schleifkörper weder Zahnschmelz, noch Zahnbein oder im Mund befindliche Kunststoffe oder Metalle angreifen.

  • antibakterielle oder “zahnhärtende” Zusätze: z.B. Chlorhexidin, Amin- und Zinnfluoridlösungen

  • Tenside (schaumbildende Substanzen). Die Substanzen sorgen dafür, dass die Inhaltsstoffe beim Putzen überall hingelangen können. Außerdem fördern sie die Entfernung von Plaque. Der Anteil an Tensiden sollte allerdings zwei Prozent der Zahnpastamenge nicht überschreiten.

  • angenehmen Geschmack

  • kein Chloroform: das greift Kunststofffüllungen und -kronen an

Alternativen und Ergänzungen

Whitening-Pasten

Whitening-Pasten sind Zahncremes, die von der Werbung als Zahnpasta mit Weißmacher-Effekt ohne Nebenwirkungen angepriesen werden. Hierzu ist zu sagen, dass die natürliche Zahnfarbe, die sehr unterschiedlich sein kann und genetisch festgelegt ist, durch Zahnpasta nicht beeinflusst werden kann. Die weißmachende Wirkung der Zahnweiß-Pasten beruht auf der Zahnbelagentfernung durch in der Paste vorhandene Schleifkörper oder Säuren. Beide Stoffe sind bei Daueranwendung äußerst schädlich für den Zahn! Lediglich weißmachende Zahnpasten mit weniger starken Schleifstoffen sind in der Anwendung vertretbar, jedoch auch bei Daueranwendung eher schädigend.
Bewertung: Können den Zahn schädigen, daher die Beläge lieber regelmäßig professionell beim Zahnarzt entfernen lassen

Zahnseide

Viele haben schon einmal beim Zahnarzt gehört, dass man sie benutzen sollte, fast niemand tut es regelmäßig (lediglich 3 % der Bevölkerung). Die Zahnseide ist ein unersetzbares Hilfsmittel zur Reinigung der für die Zahnbürste nicht zu erreichenden Zahnzwischenräume, die immerhin 30% der Zahnoberfläche ausmachen! Daher ist ihre Anwendung ein fester Bestandteil der regelmäßigen Mundhygiene, der durch kein anderes Hilfsmittel ersetzt, sondern lediglich ergänzt werden kann.

Für die Benutzung der Zahnseide gilt:
  • die Zahnseide sollte mit Fluorid getränkt und nicht gewachst sein

  • mindestens einmal die Woche, natürlich am besten jeden Tag sollte jeder Zwischenraum durch Zahnseide gereinigt werden

Da ein Grund für die geringe Anwendung von Zahnseide in der Bevölkerung sicherlich in der komplizierten, zeitaufwendigen Prozedur (man hat schließlich 30 Zahnzwischenräume) liegt, wird nun kurz die korrekte Anwendung vorgestellt:

  • 1. ca. 50 cm Zahnseide abreißen und ein Ende ein paar Mal um rechten Mittelfinger wickeln

  • 2. das andere Ende ca. achtmal um linken Mittelfinger wickeln

  • 3. somit hat man ca. 10 cm Faden zwischen den Händen

  • 4. Faden spannen, indem man beide Daumen auf den Faden presst und dazwischen ca. 2cm freilässt

  • 5. Zahnseide vorsichtig mit einer sägeartigen “zick-zack”-Bewegung zwischen den Zähnen einziehen !Zahnfleisch dabei nicht verletzen

  • 6. Faden um den Zahn legen, gegen die Zahnfläche drücken, und Faden ca. 7mal auf- und ab bewegen

  • 7. nach jedem Zwischenraum den Faden um eine Umwicklung weiterrollen

  • 8. Für alle unteren Zähne gilt: Faden statt mit beiden Daumen mit beiden Zeigefingern spannen

!Hinweis: Am Anfang kann es durchaus noch zu leichten Blutungen in den Zahnzwischenräumen kommen, die dann aber spätestens nach einer Woche nicht mehr auftreten sollten

Zahnseide Alternativen und Ergänzungen

Apparatur, in die man die Zahnseide einspannen kann.
Bewertung: sinnvolle Ergänzung zur besseren Handhabung der Zahnseide

Munddusche:

Apparatur, die durch einen druckgetriebenen Wasserstrahl eine reinigende Wirkung erzielt. Die Munddusche sollte nach dem Zähneputzen als ergänzende Maßnahme eingesetzt werden, keinesfalls kann sie die Zahnbürste ersetzen!
Bewertung: Sinnvolle Ergänzung zum Zähneputzen, kann gerade bei prothetischen und kieferorthopädischen Versorgungen (z.B. Zahnspange) die Reinigung der Zwischenräume erleichtern.

Zahnstocher:

Der Zahnstocher stellt ein preisgünstiges und effektives Hilfsmittel zur schnellen Grobreinigung der Zähne dar, das vor allem immer schnell zur Hand sein kann. Wegen einer möglichen Verletzungsgefahr des Zahnfleisches sollte man immer nur medizinische Hölzer verwenden, die teilweise sogar mit zahnschmelzhärtenden Fluoriden angereichert sind.
Bewertung: Sinnvoll, aber ebenfalls nur als unterstützende Maßnahme.

Kaugummi

Der Vorteil in der Anwendung von Kaugummi als zusätzliche Schutzmaßnahme gegen Karies liegt darin, dass man ihn immer “mal zwischendurch”, wenn man gerade nicht die Möglichkeit zum Zähneputzen hat, kauen kann, vor allen Dingen direkt nach den Mahlzeiten. Die Wirkung des Kaugummikauens besteht in der mechanischen Reinigungswirkung sowie der Anregung des Speichelflusses, wodurch die Bakterienansiedlung gehemmt wird und eine Neutralisierung des Speichels sowie eine Remineralisation der Zahnoberfläche erreicht wird. Allerdings erzielen lediglich zuckerfreie Kaugummiprodukte diese Wirkung, zuckerhaltige schädigen den Zahn noch zusätzlich.
Bewertung: Probates Mittel als zusätzlicher Karies-Schutz; gilt jedoch nur für zuckerfreie Produkte

Mundspülungen

Auch Mundspülungen können den Gebrauch der Zahnbürste niemals ersetzen, allerdings können sie, mit den richtigen Inhaltsstoffen angereichert, die Karies-Prophylaxe bewiesenermaßen unterstützen. Mundspülungen, die bakterienabtötende Inhaltsstoffe wie Chlorhexidin, Zinn-Chlorid oder Amin- und Zinnfluoridlösungen enthalten, sind hierbei die richtige Wahl.
Bewertung : als ergänzende Maßnahme auf alle Fälle sinnvoll, kann jedoch die Zahnbürste keinesfalls ersetzen!

Mundwasser

Mundwässer sind hochkonzentrierte Lösungen, welche dazu benutzt werden, den Atem zu verbessern und ein Frischegefühl im Mund zu erzeugen. Eine prophylaktische Wirkung haben sie jedoch nicht! Sie können, sozusagen wie ein Parfum für den Mund zwar den durch mangelnde Mundhygiene entstehenden Geruch überdecken, die Ursache des Geruchs jedoch keinesfalls bekämpfen.
Bewertung: ungeeignet als Karies oder Parodontose Prophylaxe.