ZahnentfernungAllgemeinesUnter einer Zahnextraktion versteht man die gewollte Entfernung eines Zahnes aus seinem Knochenfach durch mechanische Einwirkungen. In der Zahnmedizin dienen meist Zangen und Hebel zur Lockerung und Lösung des Zahnes. Der Schweregrad einer Extraktion wird durch die Lage und Konsistenz des Zahnes, die Form seiner Wurzel, den Bau des Knochens und den umgebenden Nachbarstrukturen bestimmt. Die meisten Menschen können sich an ihre ersten Zahnverluste meist nicht mehr erinnern. Die Milchzähne lösten sich fast von selbst, wurden irgendwie herausgewackelt und den Eltern strahlend präsentiert. Im Gegensatz dazu hat man vor dem Entfernen der Weisheitszähne enormen Respekt. Es kursieren eine Vielzahl von Geschichten, die stets mit einer angeschwollenen Backe und dreitägiger Arbeitsunfähigkeit enden. Worauf sind nun diese unterschiedlichen Formen der Zahnentfernung zurückzuführen? Und wie ist der Schwierigkeitsgrad einer Zahnentfernung einzuschätzen? UrsachenDer natürliche Verlust eines Milchzahnes ist auf den später folgenden Durchbruch des zweiten und bleibenden Zahnes zurückzuführen. Dieser löst den kleineren Milchzahn von unten Stück für Stück auf, so dass die Wurzel im optimalen Fall ganz verschwindet und resorbiert wird. Somit lässt es sich auch leicht erklären, dass das Herauswackeln des ersten Zahnes möglich und recht schmerzarm ist. Der Zahn ist nicht mehr tief im Knochen verankert. Ausschließlich die Schleimhaut hält den Milchzahn noch fest. Verläuft der Zahnverlust nicht, wie von der Natur geplant, so hilft der Zahnarzt nach. Dies kann zur Förderung des schnelleren Zahndurchbruchs, bei schief herauswachsenden bleibenden Zähnen oder bei kariösen bzw. entzündeten Milchzähnen der Fall sein. Bleibende Zähne sind hingegen nicht mehr so einfach zu entfernen. Der Knochen ist fester geworden; vor allem im Unterkiefer besitzt er eine sehr kompakte äußere Schicht. Die Zahnwurzeln sind länger und die hinteren Backenzähne durch ihre Mehrzahl an Wurzeln breitflächiger im Knochen fixiert. Eine Zahnentfernung kann vielerlei Gründe haben: eine Karies ist zu weit fortgeschritten, eine Parodontopathie hat eine zu starke Lockerung bedingt oder durch umgebendes Gewebe den Zahn z.T. herauswachsen lassen, eine Entzündung des Zahnnerven hat den Knochen infiltriert und heilt nicht aus, eine große Kieferzyste hat sich von der Wurzelspitze aus gebildet, der Zahn ist unglücklich gebrochen, etc.. Bei Weisheitszähnen bewirkt oft die Form der z.T. abgewinkelten Wurzeln und die Lage eine kompliziertere Entfernung. Oft wird eine Osteotomie notwendig. Unter einer Osteotomie versteht man ein operatives Durchtrennen von Knochen oder die Ausschneidung eines Knochenstücks. Dies ist erforderlich, um beispielsweise im Knochen liegende Zähne oder Zahnreste, wie z.B. Wurzeln, zu entfernen. Auslöser können Platzmangel, Störungen des davor befindlichen Zahnes, Entzündungen, Taschen- oder Zystenbildung sein. Zeigt er sich als höchst wahrscheinliches Störfeld bereits im jugendlichen Alter, so ist es ratsam, ihn bis zum 25.Lebensjahr zu entfernen. Der Eingriff gestaltet sich dann oft weniger kompliziert. Auch Kieferorthopäden ordnen oft Extraktionen von bleibenden Zähnen an, um dem Gebiss eine optimale Verzahnung zu ermöglichen. Die ersten kleinen Seitenzähne werden aus Platzmangel oder ggf. Harmonisierung häufig gezogen. Wichtig zu erwähnen ist auch eine Strahlentherapie bei einem vorhandenen Krebsleiden oder eine Operationen mit höchster Risikostufe, denen stets eine Zahnsanierung inklusive notwendiger Extraktionen vorausgehen sollte. Bakterien im Mundraum stellen einen uneinschätzbaren Risikofaktor dar. Hinzu kommt, dass eine Zahnentfernung nach erfolgter Strahlentherapie ein Absterben des den Zahn umgebenden Knochens hervorrufen kann. Die daraus folgenden Entwicklungen sind beträchtlich. SymptomeMeist lassen eine starke Lockerung des Zahnes, stechende oder beim Aufbiss drückende Schmerzen den unabwendbaren Eingriff schon erahnen. Handelt es sich um eine kieferorthopädische Anordnung bzw. um die Entfernung eines noch nicht durchgebrochenen Zahnes, ist eine zeitliche Planung des bevorstehenden Zahnverlustes gut möglich. DiagnoseDer Zahnarzt stellt durch Ertasten mit Hilfe von Fingern und Sonden eine vorläufige Diagnose. Häufig wird zur definitiven Abklärung noch eine Röntgenaufnahme des betroffenen Zahnes angefertigt. Therapie, operatives VorgehenVor dem Eingriff muss bei bestimmten Risikopatienten eine medikamentöse Abdeckung mit Antibiotika erfolgen und ggf. die Blutungsneigung ermittelt bzw. eingestellt werden. Zur Schmerzausschaltung wird der Zahn ausgiebig betäubt. Nur bei den ersten kindlichen Zähnen, die auf Grund ihrer anatomischen Strukturen nicht ganz so schmerzempfindlich sind, kann in einigen Fällen auf eine Spritze verzichtet werden. Mit speziellen Instrumenten lockert der Zahnarzt den Zahn, bevor er ihn mit Hilfe einer Zange oder eines Hebels aus dem Knochenfach entfernt. Eine gute Säuberung des Knochens, ggf. ein in das Knochenfach eingebrachtes Schwämmchen und eine Wundnaht schließen den Eingriff ab. Gesetzte Nähte werden nach einsetzender Heilung, meist sieben Tagen später, entfernt. KomplikationenBei älteren Patienten oder replantierten Zähnen (siehe Replantation ) ist es möglich, dass eine so genannte Ankylose des Zahnes auftritt. Das bedeutet, dass der Zahn nicht mehr durch seinen Zahnhalteapparat mit dem Knochen verbunden ist, sondern eine direkte, verknöcherte Verbindung besitzt. Demzufolge ist der Zahn nicht mehr einfach herauszuziehen. Er muss aufwendig herausgebohrt werden. Schwer stillbare Blutungen können aufwendige Maßnahmen fordern. In die Wunde eingebrachte Schwämmchen, dichte Nähte und durch einen Aufbisstupfer erzeugter Druck bewirken letztendlich einen Blutungsstillstand. Sollte die Wunde nicht wie erhofft heilen, sondern sich erneut infizieren, so bedingen eine Säuberung und eine medikamentöse Einlage den Heilungsverlauf. Bei der Extraktion von Weisheitszähnen kann es vorkommen, dass der Nervus mandibularis oder der Nervus lingularis verletzt wird. Um derartige sehr folgenreiche Nervenverletzungen zu vermeiden, ist im Zweifel ein Kieferchirurg aufzusuchen, der u.a. anhand der vorliegenden Röntgenbilder entsprechend vorgehen wird, um eine derartige Komplikation zu vermeiden! ProphylaxeZahnverlusten vorzubeugen ist schwierig. Die Zahnmedizin tut heutzutage bereits fast alles, um eine Extraktion abzuwenden. Die Erfahrungen vergangener Zeiten haben gezeigt, dass auch einzelne Zähne immer noch als Anker für Zahnersatz von unschätzbarem Wert sind. Natürlich gibt es Möglichkeiten zahnlose Patienten befriedigend zu versorgen, jedoch wiegt nichts intakte eigene Zähne auf. Demzufolge kann der einzelne durch bedachte und ausgeprägte Prophylaxemaßnahmen frühzeitig dafür sorgen, dass eine Zahnentfernung möglichst verzögert bzw. abgewendet wird. PrognoseWohl niemand möchte einen Zahn gezogen bekommen. Daher ist der Respekt, der diesem Eingriff vorangeht, gut zu verstehen. Die Extraktion selbst erweist sich aber bei fachgerechter Durchführung meist als wenig kompliziert. Der Zahnarzt gibt für den spezifischen Fall noch einige Anmerkungen und ggf. schmerzlindernde Medikamente mit auf den Weg. Wird auf Alkohol, Nikotin, Koffein und Teein möglichst lange, aber mindestens einen Tag, verzichtet, ergibt sich eine gute Wundheilung. Eine Kühlung mit einem umwickelten Kälteobjekt mindert die Schwellung, so dass häufig der Zahnverlust für das äußere Erscheinungsbild gar nicht auffällig ist. |