FrontzahnschädenAllgemeines - DefinitionUnter Frontzahnschäden sind diesen Zahnbereich umfassende Verletzungen aller Art zu verstehen. Es kann nicht nur der Zahn gebrochen, sondern auch das Knochenfach und das Zahnfleisch beschädigt sein. Im extremsten Fall verliert der Patient z.B. durch einen Unfall einen oder mehrere Zähne. Ergibt sich ein solcher Schaden bei Milchzähnen, ist dies natürlich unerfreulich. Jedoch so lange der noch im Knochen befindliche Zahnkeim des bleibenden Zahnes nicht beschädigt ist, stellt sich auf lange Sicht kein Problem ein. Wirklich ärgerlich wird es, wenn junge, gesunde und bleibende Frontzähne einem solchen Zwischenfall zum Opfer fallen. Ausgeschlagene Zähne oder Zahnfragmente sollten eingesammelt und in Kochsalzlösung, Speichel oder Milch feucht gelagert werden. Besonders empfehlenswert sind so genannte Zahnrettungsboxen. Diese Boxe sind kleine Boxen, die mit einer speziellen Zellnährlösung gefüllt sind und ca. 22 Euro kosten. Zahlreiche Institutionen, wie z.B. Schulen, Jugendclubs oder Sportvereine haben diese Boxen mittlerweile sogar vorrätig! In Österreich hat das grüne Kreuz die Boxen sogar landesweit an die Schulen verteilt, und im Bundesland Hessen wurden von der Unfallversicherung alle Schulen beliefert. So schnell wie möglich muss der Patient dann einen Zahnarzt aufsuchen, um den Schaden einschätzen, eindämmen und ggf. beheben also den Zahn wieder einzupflanzen lassen. Ohne eine Zahnbox oder ähnliches besteht jedochkaum eine Chance einer erfolgreichen Wiedereinpflanzung. UrsachenDie Ursache ist immer ein mechanisches Trauma. Ein Stoß, Schlag, Fall oder auch ein sportlicher Körpereinsatz können die Verletzung der Frontzähne bewirken. HäufigkeitImmer wiederkehrende Ereignisse haben gezeigt, dass die Oberkieferzähne auf Grund ihrer Größe und Prominenz häufiger verletzt werden als die unteren. Ein vermehrtes Auftreten bei Jungen kann statistisch nicht bestätigt werden, obgleich Mädchen nachgesagt wird, etwas scheuer und vorsichtiger zu sein. DiagnoseNach der Art der Schädigung unterscheidet man periphere und zentrale Kippungen, sowie Brüche der Zähne.
Allgemein dient dem Zahnarzt als Anhaltspunkt: je stärker der Zahn gekippt bzw. gelockert ist, desto weniger wahrscheinlich ist sein Bruch, und umgekehrt. Durch Begutachtung und Betastung des Zahnes und des Knochenfaches wird die Art des Traumas eingeordnet. Ein Röntgenbild wird zur Abklärung aufgenommen. Es ist jedoch zu bedenken, dass gerade Querfrakturen oft nicht zu erkennen sind! Ob der Zahn noch lebt, wird zu Beginn und ggf. im Laufe der Therapie immer wieder getestet. Vitale Zähne regenerieren natürlich besser. TherapieDie Therapie durch den Zahnarzt kann entsprechend den verschiedenen Verletzungsmöglichkeiten sehr unterschiedlich aussehen. Verletzte Milchzähne werden meist gezogen. Dadurch werden Schmerzen, sowie weitere Irritationen des bleibenden Zahnes ausgeschlossen und ein schnelleres Durchbrechen des Erwachsenenzahnes bewirkt. Bei Sprüngen an bleibenden Zähnen kann ein einfacher Schutzfilm auf den Zahn aufgebracht werden, um eine ggf. auftretende Sensibilität zu vermeiden. Kronenfrakturen ohne oder mit nur minimaler Verletzung des Zahnnerven können durch eine Füllung behoben werden. Ist der Zahnnerv großflächig eröffnet, muss eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt werden. Ggf. wird ein Stift in den Zahn eingebracht und eine Krone angefertigt. Liegt der Bruch des Zahnes im oberen oder mittleren Wurzelbereich, so besteht keine Hoffnung mehr für den Zahn: er muss gezogen werden. Bei einer Fraktur im unteren Wurzeldritten kann chirurgisch eine Entfernung der Spitze mit Füllung des Wurzelkanals der Erhaltung des Zahnes dienen. Kam es zum vollständigen Ausschlagen eines Zahnes, bestimmen der Zustand des Zahnes selbst und des Knochenfachs das weitere Vorgehen. Wie oben näher beschrieben, ist der Zahn am besten mittels einer so genannten Zahnrettungsbox bis zur Behandlung bei einem Zahnarzt zu konservieren. Es ist dann ggf. eine Reimplantation, ein Implantat oder eine Brückenkonstruktion als Zahnersatz möglich. Sind die Zähne gelockert, so legt der Zahnarzt eine Schienung an. Dadurch können die Zähne in einer bestimmten Position fixiert und geschont werde. Sie haben dann die Möglichkeit, sich wieder zu regenerieren. Auf keinen Fall darf vergessen werden, das oftmals mitbeschädigte Zahnfleisch zu behandeln. Risse wird der Zahnarzt nähen und mit einer Salbe versorgen. Daheim kann der Patient in Eigeninitiative z.B. mit Kamillen-Spülungen den Heilungsverlauf unterstützen. ProphylaxeVorsichtsmaßnahmen sind für derartige Verletzungen natürlich gar nicht oder nur schwer zu treffen. Wichtig ist nur, wenn es zu einem Zahnverlust gekommen ist, dass der Zahn eingesammelt und optimal transportiert zum Zahnarzt befördert wird. Trocknet der Zahn aus, so ist er meist auch im unverletzten Zustand nicht mehr zu gebrauchen. Deshalb sollte er in 0,9%er Kochsalzlösung transportiert werden, die im Medikamentenschrank sehr lange gelagert werden kann. Ist diese nicht zur Hand, tut auch der eigene Speichel oder Milch einen sehr guten Dienst. Für Kindergärten, Schulen und Sportvereine, die öfter mit solchen Unfällen konfrontiert sind, bietet sich auch das Anschaffen von Zahnrettungsboxen, "Dentosafe", an. In denen haben die Wurzelhautzellen eines Zahnes die Möglichkeit, 24 Stunden wohlbehalten zu überstehen. PrognosePrognosen sind sehr schwer zu stellen. Es kommt stets auf den individuellen Vorfall und die daraus gezogenen Konsequenzen an. So unerfreulich ein Frontzahntrauma auch ist, so lässt sich fast immer eine befriedigende Lösung finden. Erfahrungen zeigen, dass der Patient oft "Glück im Unglück" hat: leichte Zahnlockerungen, Klopfempfindlichkeiten oder Schmelzabsplitterungen sind verhältnismäßig wesentlich häufiger als schwerwiegende Frontzahnschäden. |